Alle lieben Sammeltassen!

Seit August 2014 betreibe ich nun das Museumscafé, mit einer Unterbrechung im ersten Winter. Von Anfang an haben wir mit mit Sammeltassen gearbeitet, Ihr wisst schon, das alte Geschirr mit bunten Mustern, Schnörkeln und mehr oder weniger Gold. Ältere Gäste erzählen mir oft, dass sie auch noch viele Tassen zu Hause haben und diese auch benutzen. Bei Besuchern mittleren Alters kann es schon mal vorkommen, dass jemand überrascht ausruft "Genau diese Tasse habe ich zur Konfirmation geschenkt bekommen!!!" (natürlich meist Frauen). Und die Jungen finden das Geschirr süß und romantisch. Das ist doch mal ein altersübergreifendes Thema!

 

An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei allen Sammeltassen-Spendern bedanken: Ihr Geschirr wird täglich benutzt und von Gästen und Mitarbeitern gleichermaßen gewertschätzt.

 

Ein seltenes Gedeck mit eckigem Teller und Untertasse; auf dem Teller: kleine Haferkekse
Ein seltenes Gedeck mit eckigem Teller und Untertasse; auf dem Teller: kleine Haferkekse

 

Mit meinen Gästen komme ich oft über das Geschirr ins Gespräch. Sie fragen mich beispielsweise, woher ich denn diese vielen Sammeltassen hätte. Die offensichtliche Antwort ist: ich habe lange dafür gesammelt; auf Flohmärkten, im Internet, bei der Verwandschaft, über Spenden. Es kann aber auch vorkommen, dass mich eine ältere Dame anspricht und fragt, ob sie dieses eine Gedeck von mir kaufen könnte. Sie hätte 5 davon, das sechste sei ihr leider kaputt gegangen. In diesem Fall mache ich gern einen Tausch.

 

Desöfteren haben mir Gäste erzählt, dass sie ihre Sammeltassen erst vergangenes Jahr weggeworfen hätten. Ihre Kinder hatten kein Interesse daran. Aua. Dabei hat dieses Geschirr oft eine lange Geschichte und nicht immer nur sein Leben in der Schrankwand gefristet. Immerhin gibt es viele ernst zu nehmende Sammler von Porzellan. Bei meinen Großeltern gab es in den 70er Jahren zu Familienfesten immer Sammeltassen zum nachmittäglichen Kaffeetrinken. Das Geschirr stammte teilweise aus den 20er und 30er Jahren. Und auch bei meinen Eltern wurde und wird Sammelgeschirr benutzt. Allerdings war meiner Mutter das Sortieren immer zu umständlich, so dass ich diese Aufgabe übernahm.

 

Kaffeegedecke waren in ganz Deutschland, ob Ost oder West, ein beliebtes Geschenk für Jahrestage: Geburtstage, Hochzeiten, Konfirmationen, Jugendweihe. Denn gerade bei uns in Deutschland ist die Kaffeezeit eine ganz wichtige Mahlzeit und wird oft zelebriert, ähnlich dem Tee in Großbritannien. A propos Tee: man kann übrigens auch ganz hervorragend Tee oder auch Kakao aus Sammeltassen trinken. Ich habe ein paar besonders hübsche Exemplare, die für Tee gedacht sind: durch den Tee hindurch kann man die schönen Muster auf der Tasseninnenseite erkennen. Was für Kaffee eher ungünstig wäre, denn "Blümchenkaffee" ist nicht das, was wir wollen.

 

Inzwischen haben wir so viel Sammelgeschirr, dass wir bequem auch Busgruppen damit bedienen können. Es macht schon was her, wenn die Reisegesellschaft in den Gastraum kommt, der wohlgemerkt ein historischer Dorfkrug ist, und so schön bunt gedeckte Tische vorfindet. Auch von Geburtstags- oder Hochzeitsgesellschaften wird das Geschirr geschätzt. Meistens jedenfalls.

 

Oft fragen mich Gäste, ob wir das alles mit der Hand spülen. Nein, das Geschirr kommt in die Maschine. Wir haben ein sehr mildes Reinigungsmittel, und natürlich darf man dem Dekor nicht mit kratzigen Topfschwämmen zu Leibe rücken. Bisher haben wir sehr gute Ergebnisse damit erzielt. Einige ältere Exemplare aus den 30er Jahren habe ich allerdings aus dem täglichen Gebrauch ausgemustert. Sie dienen als formschöne Deko. Übrigens benutzen wir auch richig schöne Kaffeekannen aus Porzellan. Das ist nun möglich, nachdem ich einige Stövchen angeschafft habe. Die blauen Thermoskannen aus Kunststoff waren doch ein Stilbruch.

 

Dennoch ist die Verwendung von Sammelgeschirr schon mit einem Mehraufwand verbunden, denn die Gedecke müssen nach jedem Spülen wieder sortiert werden. Deshalb möge man uns verzeihen, dass wir zu großen Museumsfesten mit vielen Besuchern mit weißem Geschirr arbeiten.

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Kommentare: 1
  • #1

    Viktoria (Freitag, 02 Juni 2017 13:18)

    Hallo,

    von meinen 2 Omas habe ich damals zu meinem Einzug in die erste eigene Wohnung ihr altes Porzellan Geschirr geschenkt bekommen. Und noch heute hole ich es am Wochenende zum Kaffee für Besucher raus.

    Ich finde es einfach viel zu Schade solche Erbstücke oder auch alten Dinge weg zu werfen. Immerhin hängt dort ein Stück Geschichte dran, in meinem Fall die Geschichte meiner Familie. Denn das geschenkte Porzellan wurde schon von meiner Ur Ur Oma an meine Ur Oma und von dort wiederum an meine Oma weitergegeben. Meine Mama wollte es damals nicht haben, da sie nicht so sehr auf Porzellan steht und schon gar nicht auf so altes verschnörkeltes - ich hingegen liebe genau diese Dinge.

    Nun da es ziemlich viel Porzellan ist das ich damals geschenkt bekommen habe habe ich überlegt was ich damit machen kann. So bin ich auch auf eurem Blog gelandet. Und die Idee dies an Menschen weiter zu geben die damit noch richtig viel anfangen finde ich richtig gut, ich werde mir wohl ein Café in meiner Nähe raus suchen oder es an eine öffentliche Einrichtung spenden.

    Einen Teil werde ich natürlich behalten und da ich Porzellan so sehr liebe, möchte ich das meine Tochter später auch einmal welches von mir erbt. Hierfür habe ich uns jetzt neues italienisches Porzellan und zwar <a href="http://www.arteviva.eu/">hier</a> von Arte Viva bestellt. Das heißt meine Tochter wird irgendwann ein Misch Masch aus Ur Omas und Mamas Geschirr erben.

    Die Vorstellung das Sie davon irgendwann essen wird und hoffentlich an ihre Kindertage zu Hause bei mir denkt erfüllen mich einfach mit Freude und lassen mein Herz aufgehen. Ich finde viel zu viele Traditionen die es früher noch gab verlaufen sich leider heutzutage viel zu schnell.

    Ich wünsche euch nur das Beste und das ihr in Zukunft noch viel Sammelgeschirr erhalten werdet

    Liebe Grüße
    Eure Viktoria